Die perfekte gestaffelte Stagnationsprobe

Die perfekte gestaffelte Stagnationsprobe (S0/S1/S2) folgt einer strengen Logik: Zuerst wird gespült, dann beprobt, anschließend stagniert, danach werden zwei aufeinanderfolgende Proben entnommen. Der entscheidende Punkt liegt darin, dass S0 die Wasserqualität des Versorgungsnetzes repräsentiert, S1 den Einfluss der Entnahmearmatur widerspiegelt und S2 den Einfluss der übrigen Hausinstallation erfasst – nur so lässt sich die Bleiquelle lokalisieren.

Vorbereitung

  • Behälter: Drei 1-Liter-Kunststoffflaschen (PE) mit Säurezusatz, vom Labor bereitzustellen .
  • Kennzeichnung: Entnahmestelle, Auftraggeber, Datum und Uhrzeit der Probenahme auf dem Begleitprotokoll vermerken, um eine eindeutige Zuordnung zu gewährleisten .
  • Entnahmestelle: Kaltwasserhahn, der üblicherweise zur Trinkwasserentnahme genutzt wird (in der Regel Küche) .

Entnahmeschritte

Schritt 1: Spülen und S0 entnehmen

Kaltwasserhahn öffnen und spülen, bis die Wassertemperatur konstant bleibt (je nach Gebäudegröße mindestens 5–10 Minuten) . Nach Temperaturkonstanz die erste 1-Liter-Flasche (S0) vorsichtig bis zum Flaschenhals befüllen, dabei den Wasserhahn nicht berühren und ein Überlaufen vermeiden (die Flasche enthält bereits Säure) . Die S0-Probe repräsentiert die vom Wasserversorgungsunternehmen gelieferte Wasserqualität .

Schritt 2: Stagnation

Wasserhahn schließen. Sicherstellen, dass 2–4 Stunden (empfohlen: exakt 4 Stunden) an dieser Entnahmestelle kein Wasser entnommen wird . Zur Absicherung kann der Wasserhahn mit Klebeband abgeklebt werden, sodass eine unbefugte Öffnung erkennbar wäre . Andere Wasserentnahmen im Gebäude (z. B. Toilettenspülung) beeinträchtigen die Stagnation an dieser Entnahmestelle nicht .

Schritt 3: S1 und S2 entnehmen

Nach Ablauf der Stagnationszeit ohne vorheriges Ablaufenlassen die zweite Flasche (S1) befüllen, unmittelbar danach ohne Unterbrechung die dritte Flasche (S2) befüllen . S1 und S2 müssen direkt aufeinanderfolgend entnommen werden.

Interpretation der Ergebnisse (der entscheidende Punkt)

ProbeWas sie repräsentiertBei Grenzwertüberschreitung
S0Vom Wasserversorgungsunternehmen gelieferte Wasserqualität (nach Spülen)Auf mögliches Blei im Hausanschluss (vor dem Wasserzähler) prüfen, Wasserversorgungsunternehmen kontaktieren 
S1Einfluss der Entnahmearmatur (Wasserhahn)Armatur austauschen oder Wasser vor Nutzung ausreichend ablaufen lassen 
S2Einfluss der übrigen Hausinstallation (Rohrleitungen)Technische Maßnahmen erforderlich, z. B. Austausch der Bleirohre 

Wenn alle drei Proben unter dem Grenzwert liegen, sind keine Maßnahmen erforderlich .

Wichtige Hinweise

  • Die Probenahme muss von einer zugelassenen Trinkwasseruntersuchungsstelle durchgeführt werden, damit das Ergebnis als formeller Nachweis einer Grenzwertüberschreitung nach der Trinkwasserverordnung gilt . Eine selbst entnommene Probe kann nur als Voruntersuchung dienen.
  • Die S0-Probe dient auch dazu, den Einfluss der Entnahmearmatur auszuschließen – wenn bereits S0 den Grenzwert überschreitet, liegt die Bleiquelle höchstwahrscheinlich vor der Armatur (Hausanschluss oder Versorgungsnetz) .
  • Nach Entnahme die Proben so schnell wie möglich ins Labor bringen .

Zusammenfassung in einem Satz: Spülen → S0 entnehmen → 4 Stunden stagnieren lassen → S1 und S2 direkt aufeinanderfolgend entnehmen. S0 zeigt „was vom Versorgungsunternehmen kommt“, S1 zeigt „was der Wasserhahn hinzufügt“, S2 zeigt „was die Rohrleitungen hinzufügen“. Nur mit diesen drei Proben lässt sich die Bleiquelle lokalisieren und nicht blindlings die gesamte Installation sanieren.

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