Warum wir Bleileitungen ignorieren.

Haus der Jahrhundertwende

Wir trinken das schon seit 30 Jahren und uns fehlt nichts!“ Ein Satz, den man in Deutschlands Altbauvierteln erschreckend oft hört. Doch die Abwesenheit von akutem Unwohlsein ist eine lebensgefährliche Täuschung. Blei ist kein Gift, das uns sofort mit Bauchkrämpfen ins Bett zwingt. Es ist ein schleichender Saboteur, der sich über Jahrzehnte unbemerkt in unseren Knochen anreichert. Wenn im Alter die Nieren nachlassen oder der Bluthochdruck steigt, schiebt man es auf die Jahre – und niemals auf das tägliche Glas Leitungswasser. Warum unsere Psyche bei diesem Thema wegschaut und warum uns die eigene Bequemlichkeit blind für die Gefahr macht.

Der Verbraucherschutz – zu pauschal

Verbraucherschutz: Gut gemeint, aber gefährlich pauschal

„Leitungswasser ist das am besten kontrollierte Lebensmittel in Deutschland.“ Diesen Satz hört man überall. Doch die Wahrheit ist: Diese Kontrolle endet strikt an der Wasseruhr. Für die restlichen Meter bis zum Hahn gilt das Prinzip Hoffnung. Es gibt weder regelmäßige Kontrollen der Hausinstallation noch eine Pflicht, Mieter über den Zustand der Rohre zu informieren.

Das ist, als würde ein Autohersteller garantieren, dass der Motor perfekt läuft, während niemand überprüft, ob die Bremsen seit 50 Jahren verrostet sind. Der pauschale Verbraucherschutz wiegt uns in einer Scheinsicherheit, die das Risiko und die Kosten für marode Leitungen und unbemerktes Stagnationswasser komplett auf den Endverbraucher abwälzt.