Meine Meinung, mit der ich alleine da stehe
Nach 7 Jahren intensiver Recherche und das Auseinanderpflücken von Warnhinweisen ist mir jetzt erst aufgefallen, wie sinnlos diese im Fall von Leitungs- und Mineralwasser sind.
Gerade Keimfunden zeigt sich: Warnungen sind oft formal vorhanden, aber praktisch zu ungenau. Zwischen Hersteller, Behörden, Handel, Warnportalen und Medien geht entscheidende Information verloren.
Es kann doch nicht sein, dass nur mir auffällt, dass viele Warnungen zu Wasserproblemen eigentlich keine echten Warnungen sind.
Dieser Gedanke lässt mich nicht los.
Denn auf den ersten Blick scheint alles korrekt zu laufen. Ein Keim wird gefunden. Ein Produkt wird zurückgerufen. Ein Abkochgebot wird ausgesprochen. Ein Warnportal veröffentlicht eine Meldung. Eine Zeitung berichtet darüber. Der Handel nimmt Ware aus dem Regal. Irgendwo steht: „Vom Verzehr wird abgeraten.“ Oder: „Das Wasser muss abgekocht werden.“
Formal ist also gewarnt worden.
Aber wurde wirklich gewarnt?
Oder wurde nur dokumentiert, dass gewarnt wurde?
Genau hier liegt das Problem.
Eine veröffentlichte Warnung ist noch keine wirksame Warnung
Eine Warnung ist nicht schon deshalb gut, weil sie irgendwo veröffentlicht wurde. Sie muss verstanden werden. Sie muss konkret sein. Sie muss die richtigen Menschen erreichen. Und sie muss so formuliert sein, dass Verbraucher sofort wissen, was sie tun oder lassen sollen.
Gerade bei Wasser reicht eine allgemeine Formulierung nicht aus.
Wasser ist kein normales Lebensmittel. Es wird nicht nur getrunken. Es wird für Säuglingsnahrung verwendet. Es steht in Pflegezimmern. Es wird zur Medikamenteneinnahme genutzt. Es wird für Mundpflege, Speisenzubereitung, Waschen, Wundversorgung oder medizinische Abläufe verwendet.
Wenn eine Wasserwarnung nur sagt: „Vom Verzehr wird abgeraten“, bleibt zu viel offen.
Darf das Wasser noch für Babynahrung verwendet werden?
Darf es für Medikamente verwendet werden?
Darf ein pflegebedürftiger Mensch damit versorgt werden?
Darf es mit offenen Wunden, Ohren oder Augen in Kontakt kommen?
Sollte man einem Arzt sagen, dass Kontakt mit belastetem Wasser bestand?
Wenn Verbraucher solche Fragen selbst beantworten müssen, ist die Warnung zu schwach.
Der Unterschied zwischen formaler und wirksamer Warnung
Eine formale Warnung klingt oft so:
„Bei Untersuchungen wurden Keime nachgewiesen. Für gesunde Menschen besteht in der Regel nur eine geringe gesundheitliche Gefährdung. Empfindliche Personengruppen sollten vorsichtig sein. Vom Verzehr wird abgeraten.“
Das klingt ruhig. Sachlich. Behördlich. Fast beruhigend.
Eine wirksame Warnung müsste aber anders klingen:
„Dieses Wasser nicht trinken. Nicht zur Zubereitung von Säuglingsnahrung verwenden. Nicht für Pflegebedürftige, Medikamente, Mundpflege, Wunden, Augen oder medizinische Anwendungen nutzen. Bei Beschwerden nach Kontakt ärztlichen Rat einholen und den Keimnachweis ausdrücklich erwähnen.“