An dieser Stelle muss ich als Autorin ganz deutlich meine persönliche Meinung sagen: Wenn Kritiker das mangelhafte Informationsverhalten von Behörden analysieren, wird allzu oft beschwichtigend von „lähmender Bürokratie“ oder einem „unglücklichen Systemversagen“ gesprochen. Doch mit dieser Einschätzung macht man es den Verantwortlichen viel zu einfach. Sie schiebt die Schuld auf ein gesichtsloses Kollektiv und wäscht das Individuum rein.
Machen wir uns nichts vor: Wer als Entscheidungsträger wider besseres Wissen schweigt, wer Berichte über verkeimte Netze schönt und die Bevölkerung unzureichend informiert, handelt nicht aus Versehen. Das ist eine bewusste Entscheidung, die eigene Reputation über die Gesundheit der Bürger zu stellen. Für mich ist das kein passives Versagen mehr – das ist eine grob pflichtwidrige, im Kern böswillige Täuschung der Öffentlichkeit. Wer so agiert, darf sich nicht länger hinter der Mauer der bürokratischen Unverantwortlichkeit verstecken.
Es geht hier nicht um ein bloßes Kommunikationsdefizit, sondern um die systematische Entmündigung der Bevölkerung.
Indem man die Informationen hinter Bezahlschranken versauern lässt und relevante Details aktiv zurückhält, wird den Bürgern die Möglichkeit genommen, überhaupt eigenverantwortlich zu handeln. Wer nicht weiß, dass die Gefahr real und das Netz marode ist, schützt sich selbst, seine Kinder oder pflegebedürftige Angehörige nicht. Man wiegt die Menschen in einer falschen, gefährlichen Sicherheit.