Der Versorger garantiert angeblich die Qualität im „öffentlichen Netz“. Das Problem: Die wirklich gefährlichen Teile – die alten Hausanschlussleitungen – sind zwar Teil dieses Netzes, liegen aber versteckt im Boden.
- Die Ironie: Der Versorger misst die Qualität meistens im Wasserwerk oder an fixen Hydranten im Hauptnetz. Er misst fast nie dort, wo das Wasser durch die uralte Zuleitung in dein Haus fließt.
- Das Ergebnis: Er garantiert eine Qualität, die er an der entscheidenden Stelle (deiner Hauswand) gar nicht prüft. Es ist, als würde ein Bäcker garantieren, dass sein Mehl im Silo sauber ist, während er ignoriert, dass die Tüte, in der er es ausliefert, voller Löcher und Dreck ist.
2. Das „Muss“ des Eigentümers: Eine Pflicht ohne Kontrolle
Der Satz „Der Eigentümer muss für die Sicherheit sorgen“ ist die größte Nebelkerze von allen.
- Die Ironie: Es gibt für private Wohnhäuser (außer bei Großanlagen für Legionellen) keine gesetzliche Pflicht zur regelmäßigen Materialprüfung der Rohre. Ein Vermieter muss gar nichts nachweisen, solange kein Mieter klagt.
- Das Ergebnis: Dieses „Muss“ ist ein zahnloser Tiger. Ein Eigentümer kann 50 Jahre lang Bleirohre in der Wand lassen, und solange niemand eine teure Laboranalyse auf eigene Kosten macht, passiert gar nichts. Der Gesetzgeber schreibt eine Pflicht vor, die er absichtlich niemals kontrolliert.
3. Der Wasserzähler: Das juristische „Niemandsland“
Der Zähler dient als perfekte Grenze, um Verantwortung abzuschieben.
- Wenn du Blei im Wasser hast, sagt der Versorger: „Liegt bestimmt an Ihren Rohren hinter dem Zähler.“
- Der Vermieter sagt: „Das Wasser kommt schon so schlecht vom Versorger bei mir an.“
- Das Ergebnis: Da du als Mieter oder kleiner Hauseigentümer kaum beweisen kannst, welcher Teil des Rohrsystems nun genau das Gift abgibt, bleibst du auf dem Schaden sitzen. Der Zähler trennt nicht die Verantwortung, er isoliert den Verbraucher in seiner Beweisnot.
Fazit: Das System der organisierten Unzuständigkeit
Diese Sätze sind nicht dazu da, dich zu schützen, sondern um sicherzustellen, dass die Stadtwerke und die Immobilienlobby niemals gemeinsam für die Vergiftung ganzer Straßenzüge haftbar gemacht werden können. Es ist eine Verschleierungstaktik, die so tut, als gäbe es eine lückenlose Kontrolle, während in Wahrheit genau an der wichtigsten Stelle – dem Übergang von der Straße ins Haus – ein schwarzes Loch klafft.