Veraltete Infrastruktur

Besonders kritisch sind die Hausanschlussleitungen (HWA) vor dem Wasserzähler. Diese Leitungen liegen in der Verantwortung des Wasserversorgers.
Im Merkblatt des Wiesbadener Gesundheitsamts heißt es: „Trinkwasserrohre aus dem Werkstoff Blei werden in ganz Deutschland seit ca. 1973 nicht mehr verwendet…“
Das ist technisch richtig – aber irreführend. Denn bis zum 12.01.2026 war es völlig legal, bestehende Bleileitungen weiter zu betreiben. Es gab keinen Zwang zum Austausch, solange die (damals höheren) Grenzwerte eingehalten wurden. Ein flächendeckender, proaktiver Austausch hätte hohe Kosten verursacht – und war gesetzlich nicht vorgeschrieben.
Deshalb wurde jahrzehntelang weitergewurstelt. In Städten wie Wiesbaden mit viel Gründerzeit-Altbau müsste eine echte systematische Überprüfung eigentlich mehr verbleite oder korrodierte Hausanschlussleitungen ans Licht bringen, als offiziell zugegeben wird. Trotzdem bleiben die Berichte auffällig sauber.

Warum? Weil:

  • Eine flächendeckende, proaktive Kontrolle aller Tausender Hausanschlüsse unmöglich ist.
  • Das Gesundheitsamt nicht mit ausreichend Personal und Ressourcen ausgestattet ist, um die Versorger bei der Kontrolle und Sanierung sämtlicher HWA lückenlos zu überwachen.
  • Das System jahrzehntelang auf Eigenkontrollen und risikobasierte Stichproben statt auf echte Transparenz und Verpflichtung zum Austausch gesetzt hat.

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