In älteren Häusern und Wohnungen verlaufen noch Kupferrohre aus den 1970er- bis 1990er-Jahren. Optisch machen sie oft einen soliden Eindruck – doch technisch gelten sie heute als „alt“. Aber was bedeutet das konkret für eine Hausinstallation?
Halten Sie kurz inne und fragen Sie sich: Wie alt ist meine Trinkwasserleitung? Wann wurde sie eingebaut? Und vor allem – warum sollte mich das überhaupt interessieren?
Die Antwort ist einfacher, als Sie denken – und könnte Ihre Gesundheit und Ihren Geldbeutel betreffen.
Der einfachste Indiz: Das Baujahr des Hauses
Sie kennen das Baujahr Ihres Hauses? Dann haben Sie schon den wichtigsten Hinweis in der Hand. Denn in der Haustechnik gilt eine Faustregel:
Kupferleitungen ab einem Alter von 30 bis 40 Jahren gelten als „alt“.
Das bedeutet: Wenn das Haus aus den 1980er-Jahren oder früher stammt, verlaufen mit hoher Wahrscheinlichkeit Kupferrohre in Ihren Wänden, die heute als kritisch eingestuft werden. Aber keine Panik – nicht jede alte Leitung ist sofort ein Fall für den Stemmhammer. Doch Sie sollten wissen, worauf es ankommt.
Warum das Alter Ihrer Leitungen wichtig ist
Wer heute glaubt, dass er keine Bleirohre hat, der sollte folgendes wissen:
1. Blei im Trinkwasser – ein stilles Risiko
Auch wenn die Installation von Bleirohren ab 1973 verboten war, so galt das nicht für Bestandsbleirohre und nicht für bleihaötiges Lötzinn. Bis 1990 wurde in Deutschland beim Löten von Kupferrohren offiziell noch bleihaltiges Weichlot verwendet. Wenn Ihre Leitungen also vor 1990 verlegt wurden, können an den Lötstellen Bleiionen ins Trinkwasser abgegeben werden – völlig geruchlos, farblos und geschmacksneutral. Ein Gesundheitsrisiko, das Sie nicht schmecken, aber vermeiden sollten. Gerade, weil bei Trinkwasserinstallationen keine Kontrolle herrscht, kann heute niemand wissen, wer wann welches Material mit welchem Lötzinn benutzt hat.
2. Lochfraß – der heimliche Wasserschaden
Nach Jahrzehnten kann es bei bestimmten Wasserbeschaffenheiten zu punktueller Korrosion kommen – oft nur stecknadelgroß, aber mit verheerender Wirkung. Besonders betroffen:
- Weiches, saures Wasser (pH < 7,3) → Sauerstofflochfraß
- Warmwasserleitungen in hartem Wasser → narbenartige Korrosion (Typ 2)
3. Äußere Feinde
Feuchte Keller, fehlende Dämmung oder alte Flussmittelreste an Lötstellen – all das nagt von außen an Ihren Rohren, oft über Jahre unbemerkt.
Die Altersstufen im Überblick
| Einbauzeitraum | Status | Typische Merkmale |
|---|---|---|
| Vor 1973 | Sehr alt | Bleilot, hohe Korrosionsgefahr |
| 1973–1990 | Alt | Oft noch Bleilot, Nutzungsdauer erreicht |
| 1990–2000 | Altersgrenze | Bleifrei, aber erste Verschleißerscheinungen möglich |
| Nach 2000 | Modern | Gepresst oder hochwertig gelötet – geringes Risiko |
Und jetzt? Müssen Sie sofort handeln?
Nein – aber Sie sollten neugierig bleiben.
Wenn Ihre Kupferleitung optisch trocken ist, keine grünspanartigen Ablagerungen zeigt und Ihr Wasser geschmacklich unauffällig ist, besteht kein akuter Sanierungszwang.
Aber: Bei Leitungen ab 30 Jahren gibt es zwei einfache Wege, Gewissheit zu bekommen:
- Eine Dichtigkeitsprüfung – zeigt versteckte Lecks, noch bevor sie Schaden anrichten.
- Eine chemische Wasseranalyse – verrät Ihnen, ob Blei oder andere Metalle in Ihrem Trinkwasser landen.
Beide Untersuchungen sind überschaubar teuer, ersparen Ihnen aber unter Umständen große Überraschungen.