Gefahr im Kupferrohr: Die unterschätzte Blei-Falle der 1960er und 70er Jahre
Bei der Diskussion über Blei im Trinkwasser denken die meisten Menschen sofort an historische Altbauten mit knarzenden Dielen und hohen Decken. Dass es sich hierbei keineswegs um ein reines Gründerzeit-Problem handelt, zeigt ein Blick auf die jüngere Baugeschichte. Auch Wohnblöcke und Einfamilienhäuser, die bis weit in die Mitte der 1980er-Jahre hinein errichtet wurden, bergen ein oft völlig unterschätztes Risiko.
In dieser Epoche kamen zwar zunehmend moderne Kupferrohre zum Einsatz, doch die Verbindungstechnik war tückisch. Um die einzelnen Rohre miteinander zu verbinden, nutzten Handwerker noch bis ins Jahr 1986 standardmäßig bleihaltiges Weichlot, bevor dieses für Trinkwasserleitungen offiziell untersagt wurde. Das bedeutet im Umkehrschluss: An jeder einzelnen Lötstelle in Häusern dieser Baujahre befindet sich reines Blei in direktem Kontakt mit dem Trinkwasser. Besonders gefährlich wird es, wenn das Wasser über mehrere Stunden in den Leitungen stagniert – etwa über Nacht oder während der Arbeitszeit. In diesen Ruhephasen lösen sich die Schwermetallionen aus den Verbindungsstücken und reichern das Wasser im Rohr massiv an.
Dieses Phänomen erzeugt eine gefährliche Wissenslücke. Während Bewohner von echten Altbauten zumindest sensibilisiert sind, wiegen sich Mieter und Eigentümer von Immobilien aus den 70er- und frühen 80er-Jahren in absoluter Sicherheit. Die fortschreitende Korrosion der alten Lötstellen verstärkt das Problem mit jedem Jahr, das vergeht. Es ist an der Zeit, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass die Gefahr nicht erst im Keller der Jahrhundertwende beginnt, sondern auch in den vermeintlich modernen Installationen unserer jüngeren Nachkriegsgeschichte steckt.Um die einzelnen Kupferrohre miteinander zu verbinden, nutzten Handwerker noch bis zum Januar 1990 standardmäßig bleihaltiges Weichlot, bevor dieses durch die Überarbeitung des DVGW-Arbeitsblattes GW 2 für Trinkwasserleitungen offiziell verboten wurde. Das bedeutet im Umkehrschluss: An jeder einzelnen Lötstelle in Häusern der 1970er- und 1980er-Jahre befindet sich unter Umständen reines Blei in direktem Kontakt mit dem Trinkwasser.