Alter gefragt, Material vergessen

Die Oberflächlichkeit einer Krankenhaus-Studie

2016 befragten die Partner für Wasser gemeinsam mit einem Meinungsforschungsinstitut 309 Krankenhäuser und Pflegeheime zum Zustand ihrer Trinkwasserinstallationen. Das Ergebnis: 30 Prozent der Anlagen sind zwischen 25 und 100 Jahre alt. Eine bemerkenswerte Zahl – und zugleich ein Beispiel dafür, wie eine an sich sinnvolle Untersuchung an der entscheidenden Stelle oberflächlich bleibt.

Was gefragt wurde

Die Studie erhob das Alter der Installationen, die Einhaltung von Wartungsintervallen und die grundsätzliche Bereitschaft der Einrichtungen, sich mit dem Thema Trinkwasserhygiene zu beschäftigen. Nur 45 Prozent der befragten Häuser gaben an, Wartungsintervalle strikt einzuhalten. Jede fünfte Einrichtung ergriff nach eigener Auskunft überhaupt keine Risikovorsorge-Maßnahmen.

Was nicht gefragt wurde

Bei einer Anlage, die nachweislich zwischen 25 und 100 Jahre alt ist, wäre eine naheliegende Anschlussfrage gewesen: Aus welchem Material bestehen die Leitungen? Bleileitungen waren bis 1973 der Standard bei der Trinkwasserinstallation. Eine Anlage, die heute 60, 80 oder 100 Jahre alt ist, stammt zu erheblichen Teilen exakt aus dieser Zeit. Die Studie fragt das Baujahr ab – und lässt die naheliegendste Konsequenz daraus einfach unbeantwortet.

Warum das mehr ist als eine verpasste Gelegenheit

Es gibt bis heute keine systematische, proaktive Suchpflicht für Bleileitungen – weder für Wasserversorger noch, wie diese Studie indirekt zeigt, offenbar flächendeckend für die Einrichtungen selbst. Wenn nicht einmal eine eigens in Auftrag gegebene Befragung von 309 Krankenhäusern und Pflegeheimen die Materialfrage stellt, verdichtet sich der Verdacht: Die Dunkelziffer bleihaltiger Altinstallationen in genau den Einrichtungen, in denen besonders empfindliche Menschen leben und behandelt werden, ist nicht nur unbekannt – sie wird nicht einmal im Rahmen einer eigens dafür konzipierten Untersuchung erhoben.

Die eigentliche Pointe

Eine Studie, die das Alter von Trinkwasseranlagen in Kliniken und Pflegeheimen abfragt, aber die Materialfrage auslässt, sammelt zwar Daten – aber nicht die Daten, die für die eigentlich relevante Risikofrage gebraucht würden. Das ist kein böswilliges Verschweigen. Es zeigt aber, wie tief die Lücke sitzt: Selbst dort, wo jemand sich die Mühe macht nachzufragen, wird die entscheidende Frage übersehen.


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