Warum es am Ende egal ist – und warum die Floskel trotzdem schadet
„Eines der bestkontrolliertesten Lebensmittel.“ „99 Prozent aller Proben halten die Grenzwerte ein.“ Diese beiden Sätze, oder enge Varianten davon, tauchen in dieser Recherche immer und immer wieder auf – über Jahre, über Bundesländer, über völlig unterschiedliche Redaktionen hinweg. Fast nie mit einer Quellenangabe, aus welchem Bericht, welchem Jahr, welcher Erhebung die Zahl eigentlich stammt.
Drei mögliche Erklärungen
Warum wiederholt sich das so beharrlich? Drei Erklärungen kommen infrage. Vorsatz: eine bewusste Entscheidung, die Zahl unhinterfragt zu übernehmen, weil sie beruhigt und niemand nachfragen soll. Desinteresse: Redaktionen kopieren eine plausibel klingende Zahl, weil eine gründliche Recherche Zeit kostet, die niemand aufbringen will. Inkompetenz: Es fehlt schlicht das Bewusstsein dafür, dass eine Zahl ohne Quelle im Grunde wertlos ist.
Warum die Unterscheidung am Ende zweitrangig ist
Es lässt sich nicht klären, welche dieser drei Erklärungen im Einzelfall zutrifft – und für die eigentliche Bewertung ist das auch nicht entscheidend. Alle drei führen zum selben Ergebnis: eine Zahl, die niemand überprüfen kann, weil niemand sagt, woher sie stammt.
Warum das mehr ist als ein formaler Mangel
Die wiederholte, unbelegte Floskel ist nicht einfach nur unvollständig. Sie ist kontraproduktiv – und zwar unabhängig davon, welche der drei Erklärungen zutrifft. Jedes Mal, wenn ein aufmerksamer Leser genauer nachschaut und feststellt, dass sich hinter der beruhigenden Zahl keine nachprüfbare Quelle verbirgt, sinkt das Vertrauen in die Aussage – und mit ihm das Vertrauen in alle anderen, möglicherweise durchaus korrekten Aussagen desselben Textes. Die Floskel erreicht bei genau den Lesern, die am gründlichsten hinschauen, das Gegenteil dessen, was sie bezwecken soll. Bei den oberflächlichen Lesern beruhigt sie kurzfristig, ändert aber nichts an der zugrunde liegenden Unsicherheit, die weiterhin besteht.
Die eigentliche Konsequenz
Man muss nicht wissen, warum eine Redaktion dieselbe unbelegte Zahl seit Jahren wiederholt, um festzustellen, dass genau diese Wiederholung der eigenen Glaubwürdigkeit schadet. Eine einzige Fußnote – welcher Bericht, welches Jahr, welche Methode – würde das Problem lösen. Dass sie über so viele Jahre und so viele Artikel hinweg fehlt, ist am Ende weniger eine Frage der Motivation als eine Frage der Gewohnheit, die sich offenbar nie jemand die Mühe gemacht hat zu durchbrechen. Quelle