Nicht die Bakterien sind das Problem – sondern das, was danach kommt

Nach der Frage, wie Aquarienfische auf Chlor reagieren, drängt sich die nächste auf: Was macht eigentlich verkeimtes, noch unbehandeltes Leitungswasser mit einem Fisch? Die Antwort fällt differenzierter aus, als man zunächst denken könnte.

Coliforme Bakterien: für Fische meist kein spezifisches Problem

Coliforme Bakterien und E. coli sind in erster Linie an den Darm warmblütiger Säugetiere angepasst. Ein Fisch lebt in kühlerem Wasser, mit anderer Darmflora und einem anderen Immunsystem als Mensch, Hund oder Katze. Diese Bakterien selbst stellen für einen Aquarienfisch in der Regel keine direkte, spezifische Bedrohung dar – anders als für uns.

Die wichtige Ausnahme: Pseudomonas aeruginosa

Anders sieht es bei einem Erreger aus, der in dieser Recherche mehrfach aufgetaucht ist: Pseudomonas aeruginosa. Dieser Keim ist ein bekannter Fischpathogen und verursacht bei bereits gestressten oder geschwächten Tieren die sogenannte Flossenfäule. Ein Aquarium, das mit Pseudomonas-belastetem Leitungswasser befüllt oder aufgefüllt wird, setzt seine Bewohner also einem echten, artspezifischen Risiko aus.

Die eigentlich größere Gefahr: die Reaktion auf den Fund

Hier schließt sich der Kreis zu einem bereits behandelten Thema. Sobald eine Kontamination entdeckt wird, folgt in aller Regel eine Chlorung des Leitungsnetzes als Gegenmaßnahme. Und genau diese Chlorung ist für Fische weitaus gefährlicher als die ursprünglichen Bakterien selbst – bereits ab sehr geringen Konzentrationen schädigt Chlor Kiemen und Schleimhäute.

Das bedeutet: Ein Aquarianer, der bei einer Meldung über coliforme Bakterien im Leitungswasser denkt, seine Fische seien ohnehin nicht betroffen, übersieht damit möglicherweise die eigentliche Gefahr. Nicht die gemeldete Kontamination selbst ist für das Aquarium riskant – sondern die Maßnahme, die kurz darauf zu ihrer Bekämpfung ergriffen wird.

Die praktische Konsequenz

Wer während eines Abkochgebots einen Wasserwechsel im Aquarium plant, sollte unabhängig davon, welcher Erreger konkret gemeldet wurde, zur Sicherheit einen Wasseraufbereiter verwenden – nicht, weil die gemeldeten Bakterien selbst zwangsläufig gefährlich für die Aquarienbewohner wären, sondern weil im Hintergrund praktisch immer eine Chlorung mitläuft, die es ist.

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