Warum Bleirohre eine tickende Zeitbombe sind

Die bröckelnde Schutzschicht

Prachtvolle Gründerzeithäuser und stuckverzierte Decken üben auf viele Menschen eine magische Anziehungskraft aus. Doch hinter den kunstvollen Fassaden der Gebäude, die um die Jahrhundertwende entstanden sind, verbirgt sich oft ein düsteres Geheimnis in den Wänden. Dass in diesen Immobilien fast flächendeckend Bleirohre verbaut wurden, ist vielen Bewohnern zwar vage bewusst, wird aber oft mit Verweis auf eine vermeintliche Schutzschicht verharmlost.

Tatsächlich bildet sich im Laufe der Jahrzehnte durch das kalkhaltige Wasser eine feste Schicht im Inneren der Rohre, die das Blei wie ein Schutzschild vom fließenden Wasser trennt. Diese Barriere ist jedoch keineswegs unzerstörbar, sondern im Gegenteil extrem fragil. Jede mechanische Erschütterung im Haus kann dieses System zum Einsturz bringen. Wird beispielsweise im Stockwerk darüber eine Wand saniert oder ein Rohrabschnitt ausgetauscht, pflanzen sich die Druckstöße durch das gesamte Leitungssystem fort. Die spröde Kalkschicht reißt auf, splittert ab, und das Nervengift gelangt plötzlich wieder ungehindert in den Wasserkreislauf.

Ein weiteres Risiko stellt die unvorhersehbare Chemie des Wassers dar. Sollte das lokale Wasserwerk die Zusammensetzung des Trinkwassers verändern oder den pH-Wert leicht anpassen, kann sich die Kalkschicht schlichtweg auflösen. Wer sich also blind auf diese unsichtbare Barriere verlässt, spielt ein riskantes Spiel mit der eigenen Gesundheit. Da man dem Wasser die Belastung weder ansehen noch anriechen kann, bleibt Klarheit letztlich nur durch eine gezielte Laboranalyse der tatsächlichen Wasserqualität möglich.

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