Der Indikator für die ältere Spur
Was Enterokokken sind
Enterokokken sind kugelförmige Bakterien (Kokken), die natürlicherweise im Darm von Menschen, Säugetieren und Vögeln vorkommen. Im Trinkwasserkontext ist meist von „intestinalen Enterokokken“ die Rede – also genau jenen Vertretern, die aus dem Verdauungstrakt stammen. Wie E. coli gelten sie damit als eindeutiger Fäkalindikator: Ihr Nachweis weist auf eine hygienisch relevante Verunreinigung hin, nicht auf eine harmlose Umweltquelle.
Seit 2018 werden Enterokokken bei jeder mikrobiologischen Standarduntersuchung des Trinkwassers routinemäßig mituntersucht – der Parameter ist inzwischen fest etabliert, war aber lange nicht Teil jeder Routinekontrolle.
Die Besonderheit: Sie überdauern länger als andere Indikatoren
Der entscheidende Unterschied zu E. coli und den übrigen coliformen Bakterien liegt in der Widerstandsfähigkeit. Enterokokken treten zwar in geringerer Anzahl im Kot auf als E. coli und coliforme Bakterien, zeichnen sich aber durch eine deutlich höhere Umweltstabilität aus. Dadurch lassen sie sich oft noch nachweisen, wenn andere Indikatororganismen bereits nicht mehr nachweisbar sind. Sie sind zudem widerstandsfähiger gegenüber Chlorung als E. coli und coliforme Keime.
Das hat eine wichtige praktische Konsequenz für die Einordnung eines Befunds: Weil Enterokokken sich im Trinkwasserrohrnetz selbst nicht vermehren, aber ungewöhnlich lange überleben können, gelten sie tendenziell als Hinweis auf eine länger zurückliegende fäkale Verunreinigung oder auf eine nicht ausreichende chemische Desinfektion – während ein frischer E.-coli-Nachweis eher eine aktuelle, noch bestehende Kontaminationsquelle anzeigt.
Grenzwert und rechtliche Einordnung
Der Parameter Enterokokken ist in der Trinkwasserverordnung dem Parameter E. coli rechtlich gleichgestellt: Auch hier gilt ein Grenzwert von 0 KBE pro 100 ml. Eine Überschreitung gilt als inakzeptable Verunreinigung, das zuständige Gesundheitsamt muss unverzüglich informiert werden, und in der Regel wird sofort ein Abkochgebot ausgesprochen.
Gesundheitliche Einordnung
Enterokokken gelten fachlich als fakultativ pathogen: Bei gesunden Menschen sind sie meist unbedenklich, bei immungeschwächten Personen können sie jedoch schwere Infektionen verursachen – etwa Harnwegsinfektionen oder, als Mischinfektion, Entzündungen von Bauchfell, Herzbeutel oder Gallenblase. Sie gelten zudem als gefürchtete Krankenhauskeime, auch weil manche Stämme gegen gängige Antibiotika resistent sind. Ein typisches akutes Symptom wie Durchfall nach dem Wasserkonsum geht in der Regel eher nicht auf Enterokokken selbst zurück – ihre klinische Bedeutung liegt vor allem in schwereren, meist opportunistischen Infektionen bei vorgeschädigtem Immunsystem. (Siehe Blogartikel: Bei vorgeschädigtem Immunsystem“: Wenn Warnhinweise so vage sind, dass niemand sich angesprochen fühlt)
Warum die Unterscheidung zwischen den Fäkalindikatoren wichtig ist
Ein Trinkwasserbericht, der nur einen der drei zentralen Fäkalindikatoren nennt – coliforme Bakterien allgemein, E. coli oder Enterokokken – gibt jeweils ein anderes Zeitfenster und eine andere Herkunftsvermutung vor. Wer nach einem Kontaminationsfall die volle Einordnung will, sollte gezielt nachfragen, welche der drei Parameter tatsächlich getestet wurden und mit welchem Ergebnis – nicht nur, "ob Keime gefunden wurden".