Trinkwassernotstand & Löschwasser: 1/2

Warum Netzdruck genauso wichtig ist wie die Wassermenge

Wenn Kommunen bei anhaltender Trockenheit einen Trinkwassernotstand ausrufen, geht es meist um eine Zahl: den Tagesverbrauch in Kubikmetern. Was dabei oft untergeht, ist eine zweite, mindestens ebenso wichtige Frage: Reicht der Druck im Leitungsnetz noch aus, um im Ernstfall auch Löschwasser bereitzustellen?

Wie Trinkwassernetze ihren Druck bekommen

In vielen Kommunen – gerade in bewegtem Gelände wie dem Taunus – entsteht der Druck im Leitungsnetz nicht primär durch Pumpen, sondern durch die Höhenlage der Hochbehälter gegenüber den Haushalten. Je höher der Wasserspiegel im Behälter über der Entnahmestelle steht, desto höher der Druck. Sinkt der Füllstand, sinkt auch der Druck – unabhängig davon, ob rechnerisch noch genug Kubikmeter „vorhanden“ sind.

Warum Versorgungszonen den Unterschied machen

Viele Kommunen sind in Hoch-, Mittel- und Tiefzonen gegliedert, die häufig über eigene Hochbehälter oder Druckstufen versorgt werden. Das bedeutet: Ein sinkender Füllstand trifft nicht alle Stadtteile gleich. Die Hochzone – meist die am weitesten oben gelegene und damit am wenigsten durch Resthöhe gepufferte – wird in der Regel zuerst kritisch. Eine pauschale Aussage wie „der Netzdruck ist ausreichend“ für eine ganze Stadt sagt daher wenig, wenn sie nicht nach Zonen differenziert.

Warum das für die Löschwasserversorgung zählt

Für einen wirksamen Löscheinsatz reicht es nicht, dass irgendwo in der Stadt genug Wasser lagert. Es braucht am Hydranten selbst einen ausreichenden Fließdruck, während gleichzeitig eine bestimmte Wassermenge über einen längeren Zeitraum entnommen wird. Bei außergewöhnlich hohem zivilem Verbrauch – etwa durch großflächige Gartenbewässerung an heißen Tagen – kann genau dieser Druck in kritischen Netzbereichen absinken, während die Gesamtbilanz an Kubikmetern noch unauffällig wirkt.

Was das für Bürgerinnen und Bürger bedeutet

Wer in einer Kommune mit ausgerufenem Trinkwassernotstand lebt, hat ein berechtigtes Interesse an mehr als nur der Verbrauchszahl. Sinnvolle Fragen an die eigene Verwaltung wären zum Beispiel:

  • Wie ist der aktuelle Füllstand der Hochbehälter, aufgeschlüsselt nach Versorgungszone?
  • Ist der für die Löschwasserversorgung erforderliche Netzdruck in allen Zonen – insbesondere in höher gelegenen Bereichen – aktuell gewährleistet?
  • Werden diese Werte laufend erfasst und könnten sie öffentlich einsehbar gemacht werden, solange die Ausnahmesituation andauert?

Diese Fragen unterstellen keine Fehlfunktion. Sie machen aber sichtbar, dass „Wasser ist noch da“ und „Löschwasserversorgung ist gesichert“ zwei unterschiedliche Aussagen sind – und dass nur die zweite tatsächlich Sicherheit im Ernstfall bedeutet.

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