{"id":503,"date":"2026-07-22T19:48:49","date_gmt":"2026-07-22T19:48:49","guid":{"rendered":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/?p=503"},"modified":"2026-07-22T19:48:51","modified_gmt":"2026-07-22T19:48:51","slug":"1-112-mittel-278-wirkstoffe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/system-check-behoerden-recht\/1-112-mittel-278-wirkstoffe\/","title":{"rendered":"1.112 Mittel, 278 Wirkstoffe"},"content":{"rendered":"<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Verl&auml;ngerungsmechanismus &ndash; und eine Spur zu TFA<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Pestizide, Fungizide, Herbizide &ndash; wer versucht, den &Uuml;berblick &uuml;ber die in Deutschland zugelassenen chemischen Mittel gegen Sch&auml;dlinge, Pilze und Unkraut zu behalten, verliert ihn schnell. Zu Recht, wie sich zeigt: Die schiere Menge und die Art, wie Zulassungen verl&auml;ngert werden, sind selbst Teil des Problems.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Zahlen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Deutschland waren 2024 genau 1.112 Pflanzenschutzmittel mit 278 verschiedenen Wirkstoffen zugelassen. EU-weit sind es 453 genehmigte Wirkstoffe insgesamt. Verkauft wurden 2024 in Deutschland 87.022 Tonnen dieser Mittel &ndash; eine Menge, die sich kaum noch bildlich vorstellen l&auml;sst.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Der Verl&auml;ngerungsmechanismus<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genehmigungen f&uuml;r Wirkstoffe gelten regul&auml;r 7 bis 15 Jahre. Danach muss neu beantragt werden, der Wirkstoff wird nach aktuellem Stand von Wissenschaft und Technik erneut gepr&uuml;ft. So die Theorie.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Praxis kommt es laut Umweltbundesamt regelm&auml;&szlig;ig zu Verz&ouml;gerungen in diesen Wiedergenehmigungsverfahren &ndash; mit der Folge, dass einige Wirkstoffe seit 20 Jahren oder l&auml;nger ohne erneute Pr&uuml;fung im Einsatz sind. Das Bundesamt f&uuml;r Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit f&uuml;hrt dazu eine eigene, laufend aktualisierte Liste namens &bdquo;Verl&auml;ngerungen von Zulassungen&ldquo;. Mittel, deren Zulassung durch Zeitablauf endete, werden darauf automatisch bis zur endg&uuml;ltigen Entscheidung &uuml;ber eine erneute Zulassung weitergef&uuml;hrt. Das ist kein Ausnahmefall, sondern ein st&auml;ndig laufender Verwaltungsvorgang &ndash; die Liste wurde zuletzt am 21. Juli 2026 aktualisiert.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Die Spur zu TFA<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter den vielen Wirkstoffen findet sich einer, der eine direkte Verbindung zu einem bereits bekannten Problem herstellt: Fluazifop-P, zugelassen unter anderem f&uuml;r Sommergerste, Hafer und Sommerweizen. Das Umweltbundesamt schreibt dazu ausdr&uuml;cklich: Fluazifop-P bildet das persistente Abbauprodukt Trifluoracetat, kurz TFA &ndash; jene Chemikalie, die inzwischen weitr&auml;umig in Gew&auml;ssern und im Trinkwasser gefunden wird und sich nicht mehr aus dem Wasser entfernen l&auml;sst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist keine abstrakte Verbindung mehr. Ein aktuell zugelassener, im Feld eingesetzter Wirkstoff hat einen konkret benannten Anteil an einer Chemikalie, die l&auml;ngst als bundesweites Problem gilt.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Das Monitoring hinkt hinterher &ndash; in beide Richtungen<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als w&auml;re das nicht genug, r&auml;umt das Umweltbundesamt ein zus&auml;tzliches Problem ein: Viele der Stoffe, die die Bundesl&auml;nder routinem&auml;&szlig;ig in Oberfl&auml;chengew&auml;ssern untersuchen, sind aktuell gar nicht mehr zugelassen. Umgekehrt werden viele der tats&auml;chlich h&auml;ufig verwendeten Stoffe gar nicht erst untersucht. Ein konkretes Beispiel sind Pyrethroide, f&uuml;r Wasserorganismen hochgiftig &ndash; die routinem&auml;&szlig;ig angewendeten Analysemethoden der L&auml;nder sind schlicht nicht empfindlich genug, um sie zuverl&auml;ssig nachzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><strong>Was daraus folgt<\/strong><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende ergibt sich ein Bild, das sich nahtlos in alles einf&uuml;gt, was diese Recherche bereits gezeigt hat: Ein System mit enormer Stoffvielfalt, eingebauten Verl&auml;ngerungsmechanismen f&uuml;r abgelaufene Zulassungen und einem &Uuml;berwachungsnetz, das teils veraltete, l&auml;ngst irrelevante Stoffe misst, w&auml;hrend die tats&auml;chlich verwendeten unentdeckt bleiben. Wer angesichts von 278 Wirkstoffen den &Uuml;berblick verliert, liegt damit erstaunlich nah an der Realit&auml;t der zust&auml;ndigen Beh&ouml;rden selbst.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\">","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1.112 zugelassene Pflanzenschutzmittel, 278 Wirkstoffe, ein automatischer Verl\u00e4ngerungsmechanismus f\u00fcr abgelaufene Zulassungen \u2013 und eine direkte, vom Umweltbundesamt selbst benannte Verbindung zwischen einem aktuell zugelassenen Wirkstoff und der Ewigkeitschemikalie TFA im Trinkwasser.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[759,756,758,523,760,754,519,757,755],"class_list":["post-503","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-system-check-behoerden-recht","tag-bvl","tag-fluazifop-p","tag-monitoring","tag-pestizide","tag-pflanzenschutzmittel","tag-pyrethroide","tag-tfa","tag-uba","tag-zulassungsverlaengerung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/503","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=503"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/503\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":504,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/503\/revisions\/504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=503"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=503"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=503"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}