{"id":180,"date":"2026-05-18T20:31:37","date_gmt":"2026-05-18T20:31:37","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.trinkwasserinfo.eu\/?p=180"},"modified":"2026-05-19T09:59:41","modified_gmt":"2026-05-19T09:59:41","slug":"warum-makler-mit-der-wahrheit-nicht-werben-duerfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/tiefes-wissen\/warum-makler-mit-der-wahrheit-nicht-werben-duerfen\/","title":{"rendered":"Makler keine Werbung mit der Wahrheit"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer aktuell ein Haus kauft oder verkauft, reibt sich verwundert die Augen. Da sind seit dem 12. Januar 2026 Bleileitungen in Deutschland endg&uuml;ltig verboten, doch in den Immobilien-Expos&eacute;s sucht man das Wort &bdquo;bleifrei&ldquo; oft vergeblich. Was wie ein schlechter Scherz klingt, ist f&uuml;r Makler bitterer juristischer Ernst: <br><strong><br>Ein Werbeverbot f&uuml;r Selbstverst&auml;ndlichkeiten.<\/strong><br>Die Falle: Werbung mit dem Gesetz<br>&#8203;Im deutschen Wettbewerbsrecht (UWG) gibt es einen Paragraphen, der Maklern derzeit Kopfzerbrechen bereitet. Er untersagt die sogenannte&nbsp;<strong>&bdquo;Werbung mit Selbstverst&auml;ndlichkeiten&ldquo;<\/strong>.<br><br>Das Prinzip ist simpel, aber t&uuml;ckisch: Man darf eine gesetzliche Pflicht nicht so darstellen, als sei sie ein besonderer Vorzug des eigenen Angebots. Da seit Januar 2026&nbsp;<strong>jedes<\/strong>&nbsp;Geb&auml;ude in Deutschland bleifrei sein&nbsp;<em>muss<\/em>, ist die Abwesenheit von Bleirohren kein &bdquo;Highlight&ldquo; mehr, sondern der gesetzliche Mindeststandard.<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Das Risiko:<\/strong>&nbsp;Wer gro&szlig; mit &bdquo;Besonderes Extra: Garantiert bleifrei!&ldquo; wirbt, suggeriert dem K&auml;ufer einen Vorteil gegen&uuml;ber Mitbewerbern. Da diese aber gesetzlich denselben Standard liefern m&uuml;ssen, drohen Abmahnungen durch Konkurrenten oder Verbraucherschutzvereine.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Haftungs-Minenfeld<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben dem Werberecht bremst auch die Haftung die Euphorie. Das Wort &bdquo;bleifrei&ldquo; im Expos&eacute; wird von Gerichten oft als&nbsp;<strong>Beschaffenheitsvereinbarung<\/strong>&nbsp;gewertet. Sollte sich nach dem Kauf in einer Wand doch noch ein vergessenes, zehn Zentimeter langes Bleist&uuml;ck finden &ndash; eine sogenannte Mischinstallation &ndash;, haftet der Verk&auml;ufer (und eventuell der Makler) voll auf Schadensersatz. Da Blei seit 2026 ein schwerwiegender Sachmangel ist, kann dies extrem teuer werden.<br><strong>Die &bdquo;Stille Post&ldquo; der Immobilienbranche<\/strong><br>Wie gehen Profis mit diesem bizarren Verbot um? Sie fl&uuml;chten sich in die Sachbeschreibung. Statt mit dem Ergebnis (&bdquo;bleifrei&ldquo;) zu werben, beschreiben sie den Prozess. In modernen Expos&eacute;s liest man daher eher S&auml;tze wie:<br><em>&bdquo;Die Trinkwasserinstallation wurde im Jahr 2025 umfassend saniert und entspricht den Anforderungen der aktuellen Trinkwasserverordnung (TrinkwV).&ldquo;<\/em><br>Das ist rechtlich sicher, da es eine nachweisbare Sanierung beschreibt und keine (riskante) Garantie f&uuml;r die absolute Abwesenheit jedes Bleimolek&uuml;ls abgibt.<br>Fazit f&uuml;r K&auml;ufer und Verk&auml;uferEs ist kein Witz, sondern deutsches Recht: Die wichtigste Eigenschaft eines Altbaus im Jahr 2026 darf nicht plakativ beworben werden. K&auml;ufer sollten daher genau zwischen den Zeilen lesen. Wenn von einer &bdquo;modernisierten Haustechnik&ldquo; die Rede ist, ist das oft der diskrete Hinweis auf die erfolgte Bleisanierung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Tipp f&uuml;r Verk&auml;ufer:<\/strong>&nbsp;Lassen Sie sich vom Fachbetrieb schriftlich best&auml;tigen, dass der R&uuml;ckbau vollst&auml;ndig erfolgt ist. Das sch&uuml;tzt Sie zwar nicht vor dem Werbeverbot, aber vor sp&auml;teren Schadensersatzforderungen des K&auml;ufers.<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Stille: Wenn Bleifreiheit zur \u201eSelbstverst\u00e4ndlichkeit\u201c wird<br \/>\nSeit dem 12. Januar 2026 steht das Immobilienmarketing vor einem paradoxen Problem. Mit dem Inkrafttreten des absoluten Betriebsverbots f\u00fcr Bleileitungen ist bleifreies Trinkwasser kein besonderes Qualit\u00e4tsmerkmal mehr, sondern eine gesetzliche Mindestanforderung. Im Wettbewerbsrecht (UWG) f\u00fchrt dies direkt in die Falle der \u201eWerbung mit Selbstverst\u00e4ndlichkeiten\u201c: Wer heute offensiv mit bleifreien Rohren wirbt, riskiert eine Abmahnung, da er eine gesetzliche Pflicht als besonderen Vorzug anpreist.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr Verbraucher nach Sicherheit klingt, erschwert in der Praxis die Transparenz massiv. W\u00e4hrend Vermieter vor 2026 den Austausch von Leitungen noch als Modernisierungshighlight feiern durften, verschwindet das Thema nun aus den Anzeigen. Die Gefahr dabei: Hinter der Fassade einer \u201egesetzlichen Selbstverst\u00e4ndlichkeit\u201c l\u00e4sst sich das tats\u00e4chliche Weiterwursteln noch diskreter kaschieren. Wer nicht explizit nachhakt, erf\u00e4hrt nichts \u2013 denn was Gesetz ist, muss man schlie\u00dflich nicht mehr erw\u00e4hnen. So wird das Bleiproblem nicht gel\u00f6st, sondern lediglich rhetorisch unsichtbar gemacht.<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,1,206],"tags":[35,394,393,391,159,395,31,389,390,392],"class_list":["post-180","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-blei-trinkwasser-dossier","category-tiefes-wissen","category-trinkwasser-systemisches-versagen","tag-bleiverbot-2026","tag-immobilienmarketing","tag-irrefuehrung","tag-maklerhaftung","tag-rechtssicherheit","tag-sanierungspflicht","tag-trinkwasserverordnung","tag-uwg","tag-werbung-mit-selbstverstaendlichkeiten","tag-wettbewerbsrecht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=180"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":225,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/180\/revisions\/225"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=180"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=180"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/trinkwasserinfo.eu\/tr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=180"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}